Uni im Rathaus: Man darf ja nix mehr sagen!? Meinungsfreiheit und Demokratie

Im Zentrum der Diskussion steht die Frage, warum freie Meinungsäußerung für demokratische Gesellschaften unverzichtbar ist und wo sie an Grenzen stößt. Seit der Aufklärung, etwa bei Immanuel Kants Idee des öffentlichen Vernunftgebrauchs und John Stuart Mills Weiterentwicklung in „On Liberty“, gehört die Meinungs- und Redefreiheit zu den zentralen Ideen in den politischen Theorien. Gerade in jüngerer Zeit entwickelt die Politische Theorie neue Perspektiven auf dieses Thema. Sie reagiert damit auf Entwicklungen, die Demokratie sowie Meinungs- und Redefreiheit unter Druck setzen. Dabei geht es um die Frage, warum Meinungsfreiheit so bedeutsam ist, andererseits aber auch darum, wann Einschränkungen gerechtfertigt sein können. Angesichts von „Postfaktizität“, Polarisierung und Hassrede müssen diese Fragen heute neu diskutiert werden.

Auch die Kunstfreiheit spielt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle. Sie ist durch das Grundgesetz in besonderem Maße geschützt und ist Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung und Meinungsäußerung: Weder Parteien noch der Staat sollten festlegen, wie Kunst auszusehen hat. Doch auch die Freiheit der Kunst ist nicht schrankenlos und findet ihre Grenzen dort, wo andere verfassungsrechtliche Werte auf dem Spiel stehen. Debatten entstehen an der Trennlinie zwischen legitimer künstlerischer Freiheit und einem möglichen Missbrauch der Kunstfreiheit als Deckmantel, z.B. für Hetze gegen Minderheiten oder Antisemitismus.

Die Diskussion greift damit eine hochaktuelle gesellschaftliche Debatte um Meinungsfreiheit als essenzielles, im Grundgesetz verankertes Grundrecht auf. Auf der einen Seite stehen Diskussionen über Cancel Culture, Sprachverbote, Illiberalismus und zunehmende Polarisierung: Streit wird gemieden, die Meinung anderer oft als Zumutung empfunden. Auf der anderen Seite kommt es immer häufiger zu Ermittlungen der Strafjustiz aufgrund sogenannter „Äußerungsdelikte“. Ist Meinungsfreiheit aber vor allem eine Sache der Justiz, oder sollte darüber stärker politisch gestritten werden? 

Diesen und weiteren Fragen widmen sich Prof. Dr. Wolfgang Muno, Professor für Vergleichende Regierungslehre, Prof. Dr. Alexander Weiß, Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte und Prof. Dr. Stephanie Wodianka, Professorin für Französische und Italienische Literatur an der Universität Rostock am Dienstag, den 23. Juni, um 18 Uhr im Festsaal des Rostocker Rathauses. Der Eintritt ist frei.

Im Gespräch: 

  • Prof. Dr. Wolfgang Muno, Professor für Vergleichende Regierungslehre. Er forscht und lehrt zu  Demokratie, Parteien und Wahlen in Deutschland, Europa und Lateinamerika. Im Fokus stehen Populismus und Extremismus. In diesem Kontext befasst er sich mit zunehmender Polarisierung und zunehmendem Autoritarismus in demokratischen Gesellschaften.
  • Prof. Dr. Alexander Weiß ist seit 2022 Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Rostock. Seine Forschungsgebiete sind Demokratietheorie, Vergleichende Politische Theorie und Vergleichende Demokratietheorie sowie Kinder- und Menschenrechte. Hauptgegenstand ist das globale demokratische Denken. Dabei untersucht er besonders außerwestliche Demokratie- und Menschenrechtskonzeptionen und globale Kritiken an westlich liberaler Demokratie.
  • Prof. Dr. Stephanie Wodianka ist seit 2010 Professorin für Französische und Italienische Literatur an der Universität Rostock. Sie forscht zum Verhältnis von Literatur und kulturellem Gedächtnis, Literatur und Religion und Literatur und Kunst. Als Sprecherin des Graduiertenkollegs "Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs" und Mitglied des Rostocker Graduiertenkollegs "Deutungsmacht" hat sie sich mit Streitkulturen in Geschichte und Gegenwart beschäftigt.

Die Veranstaltung wird gerahmt von der Ausstellung "Standing for Freedom / Poser pour la liberté ", die vom 15. bis 29. Juni 2026 in der Rathaushalle Rostock Porträts von Forschenden im Exil zeigt. 

UNI IM RATHAUS: Für alle, die es einfach wissen wollen! Die Gesprächsreihe wird seit 2023 von der Interdisziplinären Fakultät an der Universität Rostock gemeinsam mit der Hanse- und Universitätsstadt Rostock organisiert. 


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