WKT-geförderte Studie zu Diversitätsverständnissen von KI-Sprachmodellen erschienen

Der interdisziplinäre Beitrag untersucht, wie große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) den Begriff „Diversität“ definieren und welche gesellschaftlichen Vorstellungen sich in ihren Antworten widerspiegeln. Analysiert wurden die Ausgaben von sechs unterschiedlichen Sprachmodellen (DeepSeek, Qwen, Meta Llama, Gemma, Llama Sauerkraut und Mistral) auf verschiedene Fragestellungen in deutscher, englischer und französischer Sprache. Insgesamt umfasst das untersuchte Material mehr als 270 KI-generierte Texte.

Mithilfe qualitativer Verfahren und einer kritischen Diskursanalyse zeigen die Autor:innen, dass sich die Antworten der verschiedenen Sprachmodelle trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft in zentralen Punkten ähneln. Besonders auffällig ist ein von den Autor:innen als neoliberal charakterisiertes Verständnis von Diversität ("neoliberal appropriation of diversity"). Vielfalt wird häufig mit ihrem Nutzen für Produktivität oder wirtschaftlichen Erfolg begründet. Zugleich treten strukturelle Machtverhältnisse und gesellschaftliche Ungleichheiten in den Hintergrund. In 93,2 Prozent der untersuchten Antworten wurde der Nutzen von Diversität ausdrücklich hervorgehoben.

Die Studie macht damit deutlich, dass die von KI-Systemen erzeugten Texte nicht als gesellschaftlich neutral verstanden werden können. Large Language Models greifen vielmehr auf bestehende Wissensbestände und Diskurse zurück und können dabei auch darin enthaltene Machtstrukturen und Vorstellungen reproduzieren. Die Autor:innen plädieren deshalb dafür, die gesellschaftlichen Auswirkungen von KI stärker durch qualitative und kritische sozialwissenschaftliche Ansätze zu begleiten.

Der Beitrag ist am 12. August 2026 als Open-Access-Publikation in "AI & Society. Journal of Knowledge, Culture and Communication" erschienen und frei zugänglich:

Thielicke-Witt, V., Weiß, AN. & Miltzow, H.: "Large language models and neoliberal hegemony: an analysis of AI outputs on diversity." In: AI & Society. Journal of Knowledge, Culture and Communication (2026). DOI: https://doi.org/10.1007/s00146-026-03218-z.

Kontakt

Dr. Valerian Thielicke-Witt
Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften
Tel: 0381/498-4050
E-Mail: valerian.thielicke-wittuni-rostockde


Zurück zu allen Meldungen