Aktuelle Forschungsprojekte des Departments WKT

In den einzelnen Menüpunkten finden Sie Informationen zu den Forschungsclustern des Departments „Wissen – Kultur – Transformation“.

Die hier vorgestellten Forschungsschwerpunkte sollen sowohl auf konstituierende Fokussierungen des Departments verweisen, die bereits zu drittmittelgestützten Forschungsverbünden geführt haben, als auch auf sich neu herauskristallisierende und zunehmend bündelnde Erkenntnisinteressen, die den dynamisierenden Effekten der Departmentgründung zu verdanken sind und in denen Potentiale zukünftiger Drittmittelprojekte keimen.

 

 

"Vom Wissen der Übersetzung zum Übersetzen des Wissens"
Meisterklasse mit Navid Kermani erfolgreich abgeschlossen

Meisterklasse mit Navid Kermani erfolgreich abgeschlossen

Am Freitag den 5. Mai endete die diesjährige Meisterklasse Mecklenburg-Vorpommern mit
einem öffentlichen Vortrag von Navid Kermani unter dem Titel „Gottes ist der Okzident! Goethe
und die Religion“. Mit diesem Höhepunkt fand zugleich ein Seminar für fortgeschrittene
Studierende seinen Abschluss, das sich seit Dezember 2016 dem Thema „Vollendete
Schönheit. Zur (Un-)Übersetzbarkeit von Religion und Kultur“ widmete.
In diesem Jahr war Navid Kermani der für eine Meisterklasse ausgewählte, herausragende
Denker und Autor. Sein Werk stand im Mittelpunkt einer hochklassigen Lehrveranstaltung, in
der den Studierenden der direkten Austausch mit diesem besonderen Autor ermöglicht wurde.
Kermani hat seit 2002 zahlreiche Romane und Erzählungen, aber auch
islamwissenschaftliche Studien und Essays veröffentlicht. Spätestens mit seinen
beeindruckenden Reden anlässlich der Feierstunde des Deutschen Bundestages zum 65.
Jahrestag des Grundgesetzes (2014) und der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen
Buchhandels (2015) wurde er einem größeren Publikum bekannt. In Schrift und Rede sind
seine Reportagen aus dem Nahen Osten und von den aktuellen Flüchtlingsrouten
provozierende und oft auch schmerzliche Recherchen an den Reibungsflächen zwischen
Europa und seinen Nachbarn.
„In der gegenwärtigen deutschen Literatur findet sich kein Werk, an dem man besser die enge
Verschränkung islamischer und christlicher Kultur erforschen könnte als das Navid Kermanis.
Für unser Seminar war von höchster Bedeutung, dass Kermani die enorme
Übersetzungsleistung immer deutlich macht, die dieser Kulturkontakt fordert“, erläutert
Albrecht Buschmann, einer der Organisatoren aus der Interdisziplinären Fakultät der
Universität Rostock. „Für unsere Studierenden aus verschiedenen Fächern, von Philologie bis
Theologie war die Arbeit mit Kermanis Texten und die Diskussion mit ihm selbst ein großes
Abenteuer – und gewiss ein unvergessliches Erlebnis“, fügt sein Kollege Martin Rösel hinzu.
Die Meisterklasse wurde in Kooperation mit der Universität Greifswald organisiert und durch
ein besonderes Programm des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur ermöglicht.
Teilnehmen konnten nur Studierende höherer Semester oder Doktoranden/-innen. Ihnen
wurde eine Einführung in grundlegende Fragen der Übersetzungstheorie geboten, wobei die
islamkundlichen Seite der Übersetzungspraxis besonders berücksichtigt wurde. Darauf
aufbauend wurden Texte von Navid Kermani selbst gelesen, analysiert und mit ihm diskutiert.
Für beide Aspekte konnten renommierte externe Gastdozentinnen gewonnen werden: die
Übersetzerin und Dozentin Dr. Marie-Luise Knott und der Islamwissenschaftler Dr. Michael
Marx.

„Klar und gewaltiglich verdeutschen.“

„Klar und gewaltiglich verdeutschen.“

Workshop zur Durchsicht der Luther-Bibel

Workshop zur Durchsicht der Luther-Bibel
16. & 17.10.2013
Internationales Begegnungszentrum Rostock, Bergstraße 7a, 18057 Rostock

Im Vorfeld der EKD-Tagung „Was Dolmetschen für Kunst und Arbeit sei – Die Luther-Bibel und andere deutsche Bibelübersetzungen“ bietet die Universität Rostock allen an der Durchsicht der Luther-Bibel beteiligten Kollegen einen Übersetzer-Workshop an, der gezielt die Kompetenzen zur kritischen Durchsicht der eigenen Übersetzungsarbeit stärken möchte. Für diese Aufgabe konnten drei mehrfach preisgekrönte Übersetzer gewonnen werden, die seit Jahren als literarische Übersetzer und darüber hinaus regelmäßig als Dozenten in Übersetzerfortbildungen aktiv sind. Es handelt sich um:

  • Rosemarie Tietze. Auf ihre Initiative hin wurde 1997 der Deutsche Übersetzerfonds (DÜF) gegründet; sie leitete ihn auch die ersten zwölf Jahre seines Bestehens. Derzeit hat sie an der Freien Universität Berlin die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung inne.
  • Thomas Brovot. Er ist seit 2009 Vorsitzender des Deutschen Übersetzerfonds und koordiniert die Fortbildungsarbeit der literarischen Übersetzer.
  • Andreas Tretner. Er war zuletzt „Translator in Residence“ an der Universität Tübingen.

Gemeinsam mit den Teilnehmern des Workshops werden die drei Referenten – ausgehend von Textstellen aus der laufenden Durchsicht der Luther-Bibel – Techniken einüben, wie man z.B. Syntax, Metaphorik und Bildlichkeit sowie Klangfiguren in Bezug zu den Bedeutungsebenen des Textes mit System bearbeitet, ohne dabei den Überblick (und die Nerven) zu verlieren.
Ziel ist es, Arbeitsmethoden zu vermitteln, mit denen man von richtigen zu richtigen und guten Übersetzungslösungen gelangt. Oder, um es mit Luther zu sagen, wie man „klar und gewaltiglich verdeutscht“.
Der Workshop wird in Kooperation mit Prof. Dr. Albrecht Buschmann und Prof. Dr. Martin Rösel organisiert.
Das Programm finden Sie hier als PDF zum Download.

 

Albrecht Buschmann ist Professor für Romanische Literaturen an der Universität Rostock und leitet eine Forschergruppe zur Fragen des Übersetzens. Er ist Herausgeber des Bandes Gutes Übersetzen. Neue Perspektiven für Theorie und Praxis des Literaturübersetzens. Berlin, Akademie-Verlag 2013 (im Druck).
Martin Rösel ist Mitglied im Lenkungsausschuss der EKD zur Durchsicht der Lutherbibel und ist verantwortlich für die Koordination der Durchsicht und Neuübersetzung der Apokryphen.

Weitere Informationen unter http://www.theologie.uni-rostock.de/index.php?id=luther

 

 

Präsentation der AG „Übersetzen“ im Rahmen der Gutachterbegehung zur Evaluation des Departments „Wissen – Kultur – Transformation“ (Rostock, 1.2.2013)

Präsentation der AG „Übersetzen“ im Rahmen der Gutachterbegehung zur Evaluation des Departments „Wissen – Kultur – Transformation“ (Rostock, 1.2.2013)

Prof. Dr. Albrecht Buschmann: Präsentation der AG „Übersetzen“ im Rahmen der Gutachterbegehung zur Evaluation des Departments „Wissen – Kultur – Transformation“ (Rostock, 1.2.2013)

Übersetzen ist in den letzten 20 Jahren zu einem höchst schillernden Leitbegriff der Kulturwissenschaften geworden. Das erkennt man sehr gut daran, dass beinahe jede Einleitung zu einem neueren Sammelband, dass beinahe jeder Forschungsüberblick der letzten Jahre sinngemäß mit der Feststellung anhebt, dass das Übersetzen in den letzten 20 Jahren zu einem höchst schillernden Leitbegriff der Kulturwissenschaften geworden sei.
Denn die Übersetzung als Artefakt ist inzwischen nicht mehr nur Gegenstand der Forschung, sondern Übersetzung hat sich – unter dem Stichwort „Übersetzung zwischen Kulturen“ – zu einer neuen Forschungsperspektive entwickelt. Nicht nur der Gegenstandsbereich der Übersetzungsforschung hat sich erweitert, sondern auch die Art der Fragestellungen um den Übersetzungsbegriff selbst, weshalb man allenthalben von einer Neuausrichtung der Forschung spricht, von einem „turn“, eben vom „translational turn“.

Die beiden entscheidenden Fragen für die in der Arbeitsgruppe „Übersetzen“ beteiligten Rostocker Wissenschaftler lautete vor diesem Hintergrund: Welche Voraussetzungen sind uns gegeben, um in diesem international hochkompetitiven Forschungsfeld eine Rolle spielen zu können? Und welche innovativen Forschungsperspektiven können wir auf dieser Grundlage entwickeln?

Vernetzen und Verdichten
Betrachten wir die Voraussetzungen, betrachten wir die Gegenstände, über die wir arbeiten: Vor genau einem Jahr fand ein erster Workshop der Arbeitsgruppe Übersetzen mit neun Vortragenden statt, bei dem die sieben Rostocker in der Runde die Gewissheit erlangten, dass wir ausreichend viele Kollegen vor Ort haben, die sich sowohl praktisch als auch wissenschaftlich mit einem historisch weiten Spektrum von Übersetzungsfragen beschäftigen. Von der Antike über Mittelalter und frühe Neuzeit bis zum 19. und 20. Jahrhundert wird in Rostock gearbeitet: Ciceros Übersetzungsmaximen werden an seiner eigenen Übersetzerpraxis gemessen, mittelalterliche Handschriften werden intralingual übersetzt und intermedial vertont, jüdische Übersetzerfiguren werden in ihrer Rolle als transkulturelle Mittler behandelt, die Übersetzungen literarischer Klassiker der europäischen Literaturgeschichte werden als Re-écritures gelesen, die Luther-Bibel wird überarbeitet und zum Teil neu übersetzt, Wissenschaftsdiskurse zwischen Europa und Amerika, zwischen Mittel- und Nordamerika werden rekonstruiert.

Historisch gesehen können wir somit gut 2.000 Jahre Übersetzungsgeschichte diachron erfassen. Selbstredend nicht vollständig, sondern in exemplarischen Schritten. Selbstredend nur für ausgewählte Sprachen und nur für Kulturkontaktzonen des Mittelmeers und zwischen Europa und den Amerikas.
Für ein Forschungscluster ebenso wichtig wie die repräsentative Auswahl an Forschungsgegenständen ist die Anschlussfähigkeit der beteiligten Disziplinen und daran anschließend die Innovationskraft der tatsächlich entstehenden interdisziplinären Erkenntnisinteressen. In der Arbeitsgruppe aktiv sind Professoren und Stipendiaten der klassischen Philologie, der Mittelaltergermanistik, der neusprachlichen Philologien sowie der Theologie.
Wobei die institutionelle Nähe und der persönliche Austausch mit dem Graduiertenkolleg „Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs“ uns auch den Anschluss an musikwissenschaftliche und religionswissenschaftlich-ethnologische Forschungen eröffnet. Der interdisziplinäre Austausch kam dank des Departments sehr schnell zustande, sei es in Form von gemeinsamen Seminaren im grundständigen Studium, in Form von gemeinsamen Doktorandenworkshops oder wissenschaftlichen Tagungen. Exemplarisch genannt sei die Tagung von Rafael Arnold, die im Juli 2012 „Jüdische Übersetzer als Akteure interkultureller Transformation“ zum Thema hatte und bei der Historiker, Theologen, Judaisten, Sprach- und Literaturwissenschaftler vortrugen; an die Thyssen-geförderte internationale Tagung war zudem ein eigener Doktorandenworkshop angeschlossen.

Das Vernetzen und Verdichten, von dem in Prof. Stephanie Wodiankas Präsentation die Rede war, ergab sich also innerhalb eines guten Jahres. Inzwischen haben sich daraus drei Aspekte des Übersetzens entwickelt, mit denen wir uns vor allem beschäftigen. Zunächst ist das Wissen der Übersetzung zu nennen: Aus den Übersetzungen Heiliger Texte, antiker Schriften oder literarischer Klassiker sind wir gemeinsam in der Lage, heuristisch ein „Wissen der Übersetzung“ abzuleiten, das nicht statisch als Archiv für nachfolgende Wissensschübe aufzufassen wäre, sondern als flexibles Dispositiv aller Art von transkultureller Wissensproduktion. Etwa aus der Übersetzung einer hebräischen Grammatik ins Lateinische, wie eben in der Präsentation der Stipendiatin Melanie Lange gesehen.

Kultur als Übersetzung
Im Zuge solcher Studien werden die jeweiligen übersetzungstheoretischen Prämissen in konkreten Übersetzungsprojekten einer kritischen interdisziplinären Prüfung ausgesetzt. Die Beschäftigung mit (historischen) Übersetzungskulturen ist Voraussetzung für unsere Einzelstudien und zugleich zentrales Korrektiv für alle Aussagen darüber, wie sich Kultur als Übersetzung, als Resultat von Übersetzungsprozessen konstituiert.
Und die Perspektive, die mögliche Kristallisation, die auf das Vernetzen und Verdichten folgen soll? Was meinen wir, wenn wir vom Übersetzen des Wissens sprechen?

Theoretisch innovativ hat sich die Arbeitsgruppe „Übersetzen“ die Erarbeitung einer akteurszentrierten Methodologie des Übersetzens zum Ziel genommen. Den Begriff des „Akteurs“ verstehen wir an dieser Stelle nicht abstrakt als Benennung eines Aktanten, über den wir forschen, sondern wir meinen damit das übersetzende Subjekt, mit dem wir uns austauschen, indem wir seine Arbeit analysieren. Historisch, indem wir ihn aus seinen Glossen, Kommentaren, Vorworten, Para- und Metatexten zum Sprechen bringen. Und gegenwärtig, indem wir Übersetzungsforschung nicht über Übersetzer, sondern mit Übersetzern betreiben. Denn deren spezifisches Wissen für die Wissenschaft fruchtbar zu machen, darum geht es uns.
Ein Beispiel: Bei unserem Start-Symposium (hier als PDF das Programm) im Januar 2012 waren unsere kritischen Beobachter von außen zwei literarische Übersetzer, Dr. Frank Heibert und Thomas Brovot, die zugleich als erfahrene Dozenten und übersetzungswissenschaftliche Autoren ausgewiesen sind. Dieser Dialog war höchst produktiv, für beide Seiten. Er setzt sich gerade in der Schlussredaktion des Tagungsbandes fort, der von neun auf inzwischen 18 Beiträger angewachsen ist: Einem Akademiker, der auch übersetzt und einen Gegenstand X bearbeitet, steht wie im Symposium immer ein professioneller Übersetzer gegenüber, der seinerseits aber auch analytisch ausgewiesen ist. Wie sich nun zeigt, erwachsen aus diesem Beginn eines Dialogs zwischen Sphären, die bis dato nie systematisch miteinander in Dialog getreten sind, vollkommen neue Arbeitshypothesen und Forschungsperspektiven.
Besonders gut sichtbar wurde dies bei dem Workshop „Vom Weinberg des Herrn ins Bergwerk der Sprache“, den wir Rostocker letzten Herbst zusammen mit Thomas Brovot vom „Verband deutschsprachige Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V.“ (VdÜ) im Literarischen Colloquium Berlin veranstaltet haben. Dort brachten wir evangelische Theologen, die derzeit an der Durchsicht der Übersetzung der Luther-Bibel arbeiten, mit Übersetzungsprofis an einen Tisch. Und nach zwei Tagen waren alle übersetzenden Theologen beeindruckt von der Systematik, mit der Profiübersetzer etwa syntaktische, klangliche und semantische Textebenen auseinandernehmen – und wieder zu einem nicht nur richtigen Text zusammenbauen, sondern auch zu einem gut klingenden Text.
Wegen des Erfolgs dieser Veranstaltung werden wir im Herbst 2013, im Vorfeld der großen Rostocker EKD-Tagung, einen zweiten Workshop dieser Art anbieten.

Das Archiv der Übersetzungstheorie liegt im Wissen der Übersetzenden selbst, schrieb Douglas Robinson 1998 – und verband damit in einem programmatischen Aufsatz die Forderung, diesen Wissensspeicher doch endlich zu öffnen. Nirgends auf der Welt ist das Übersetzerarchiv so gut gefüllt wie in Deutschland: In keinem Land wird so viel aus fremden Sprachen übersetzt, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels alljährlich stolz verkündet. Und nirgends auf der Welt haben die Übersetzerinnen sich so systematisch professionalisiert und institutionalisiert wie bei uns. Doch noch immer ist das spezifische systemische Wissen zum Übersetzen, das sie jedem ihrer Texte einschreiben, als Forschungsgegenstand unbearbeitet.
Dieses Wissen sichtbar zu machen, das ist eines unserer Projekte, geleitet von der Hypothese, dass sich daraus wiederum Rückschlüsse gewinnen lassen für die präzisere Rekonstruktion historischer Übersetzerfiguren.

In der Arbeitsgruppe aktive Mitglieder des Departments:

  • Prof. Dr. Rafael Arnold (Romanistik)
  • Prof. Dr. Albrecht Buschmann (Romanistik)
  • Prof. Dr. Martin Rösel (Theologie)
  • Prof. Dr. Franz-Josef Holznagel (Germanistik)
  • Prof. Dr. Christiane Reitz (Klassische Philologie)
  • Prof. Dr. Gesa Mackenthun (Amerikanistik)


Promotionsthemen der beteiligten Stipendiaten:

  • Lisa Kranig: Die Lyrik Ulrichs von Winterstetten. Edition und Kommentar. Übersetzung und Interpretation
  • Lisa Medrow: Streitende Orientalisten – Debatten um die Möglichkeit einer modernen islamischen Wissenschaft im Umfeld von Carl Heinrich Becker, Snouck Hurgronje und Ignaz Goldziher
  • Melanie Lange: Die Hebräisch-Grammatik Elia Levitas in der Übersetzung Sebastian Münsters als Zeugnis interkulturellen und interrelegiösen Dialogs anhand eines Exemplars aus dem Bestand der Universitätsbibliothek Rostock
  • Ralf Modlich: Der Mexikanische Revolutionsroman als Herausforderung der Literaturwissenschaft in Ost und West. Eine Fallstudie zum Werk des Rostocker Lateinamerikanisten Adalbert Dessau
Graduiertenkolleg „Deutungsmacht. Religion und Belief Systems in Deutungsmachtkonflikten“

Graduiertenkolleg „Deutungsmacht. Religion und Belief Systems in Deutungsmachtkonflikten“

Jeder hätte sie gern, viele kämpfen darum, manche haben sie, aber bisher ist weitgehend ungeklärt, was das ist: Deutungsmacht. Dieses operativ gängige Konzept soll begrifflich und methodisch ausgearbeitet und in Fallstudien material bearbeitet werden.

Wie entsteht, „funktioniert“ und vergeht Deutungsmacht, exemplarisch im Kontext von Religion und belief systems? Anhand signifikanter Deutungsmachtkonstellationen und -konflikte soll Deutungsmacht in Genese und Geltung sowie in Geschichte und Gegenwart untersucht werden, um zu klären: Was für eine Form oder Dimension von Macht ist Deutungsmacht? Was für Macht haben oder entwickeln Deutungen (von Religionen bzw. ihren Vertretern, Institutionen, Amtsinhabern oder ‚Charismatikern‘, Diskursen oder Dispositiven etc.)? Wann und warum werden sie anerkannt oder nicht mehr?

Deutungsmacht ist im Normalfall bereits anerkannt und gilt fraglos, indem ihr gefolgt wird (z.B. Jesus, Schrift, Grundrechte). Wie sie entstand und warum ihr gefolgt wird, bleibt entweder unthematisch (latent) oder wird u.a. in Narrationen wie Mythen oder biblischen Texten explizit. Um das zu verstehen, ist der liminale Ausnahmefall der Genese einer Deutungsmacht(-ordnung) retrospektiv zu untersuchen. Der Normalfall wird in beschleunigten und pluralisierten Gesellschaften problematisch (Krise der Kirchen, des Schriftprinzips, der Sittlichkeit etc.). Der Konfliktfall wird manifest in Deutungsmachtkonflikten (wie Regel- oder Ordnungskonflikten): Der Anspruch einer Deutung auf Anerkennung und Geltung wird explizit und begründungsbedürftig im Streit verschiedener Deutungen um Macht.

In den exemplarischen Projekten sollen daher Interferenzen von Semantik (der Deutungen) und Struktur analysiert werden (Ordnungen, Dispositive). Die gesellschaftliche Relevanz des Projektes besteht in der Differenzierung des Verstehens kultureller Deutungsmachtkonflikte, das der Verständigung und Bearbeitung derselben förderlich werden kann. Diese hermeneutische Kompetenz muss auch kritisch sein, um die Grenzen von Deutungsmacht/-ansprüchen (wie auch des Konzepts Deutungsmacht) bestimmen zu können.

 

Alle Informationen hier: http://www.deutungsmacht.uni-rostock.de/

"Contested Knowledge in the Atlantic World, c. 1600-1900"
„Contested Knowledge in the Western Hemisphere (1500-1900)“

„Contested Knowledge in the Western Hemisphere (1500-1900)“

Workshop

18. bis 19. September 2013
Hochschule für Musik und Theater Rostock,
Beim St.-Katharinenstift 8, 18055 Rostock
Kapitelsaal


Der Workshop hat zum Ziel, Experten zur Thematik zu versammeln und ein transregionales Drittmittelprojekt zum Rahmenthema vorzubereiten.

Das Programm finden Sie hier als PDF zum Download.

 

 

 

 

 

„Contested Knowledge in the Atlantic World, c. 1600-1900“

„Contested Knowledge in the Atlantic World, c. 1600-1900“

Das Projekt

Das Projekt ist transdisziplinär angelegt und versammelt Kolleginnen aus den Fächern Nordamerikastudien (Alexandra Ganser, Erlangen; Gesa Mackenthun, Rostock) und Geschichtswissenschaft (Susanne Lachenicht, Bayreuth; Dagmar Freist, Oldenburg; Claudia Schnurmann, Hamburg; Astrid Windus, Hamburg; Sünne Juterczenka, HU Berlin). Die vorläufige Projektleitung liegt in Rostock.

Thematisch orientiert sich das Projekt eng an dem im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs „Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs“ entwickelten Verständnis von den verschiedenen Interferenzen zwischen Wissensgenerierung und -zirkulation und kulturellem Austausch – wobei die Themen geographisch im weitesten Sinne im „atlantischen“ Raum angesiedelt sind (inklusive der daran anknüpfenden „Hinterländer,“ vor allem in Europa und Amerika).

Die einzelnen Themen setzen sich mit Fragen nach der Situiertheit von Wissen in einem von Kolonialismus und Aufklärung determinierten kulturellen Feld auseinander. Sie untersuchen z.B. die ungleiche Verteilung und Repräsentation von Wissen zwischen den Kulturen; die Aneignung von Wissen indigener Kulturen durch europäische Institutionen; Prozesse der Vernetzung, Verknappung und des Ausschlusses von Wissen; sie versuchen die Rekonstruktion von ‚verlorenem‘ (z.B. indigenem oder ‚undenkbarem‘ [Bourdieu]) Wissen sowie von epistemologischen Konflikten zwischen konkurrierenden Wissensformationen unter Einbeziehung von Methoden und Erkenntnissen aus Ethnographie, Archäologie, Raumstudien und der postkolonialen Analyse kolonialer Diskurse.

Darüber hinaus widmen sich Teilprojekte der Erschließung von bisher unveröffentlichten, unerschlossenen oder unbeachteten Korpora (z.B. Jesuitenrelation aus Kanada; maritime Korrespondenzen im atlantischen Raum; transatlantische Übersetzerinnen; populäre Zeitschriften und Illustrationen und deren Repräsentation geographischer Entdeckungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Übersee).

Die Projekte orientieren sich im weitesten Sinne an den Methoden und Erkenntnissen der Science and Empire Studies, der Black Atlantic Studies, den Colonial Discourse Studies sowie des New Historicism. Innerhalb der Profillinie lässt sich das Projekt den Modulen „Wissen und Interkulturalität“, „Wissen und Medialität“ sowie „Wissen und Macht“ zuordnen.

Konkret geplant ist zunächst ein Symposium unter Einbeziehung internationaler ExpertInnen (Juni 2013). Darüber hinaus ist ein Paketantrag auf ein transregionales Netzwerk angedacht (z.B. Forschergruppe oder Sachmittel, z.B. DFG).

 

Zur Arbeit von Prof. Dr. Gesa Mackenthun: http://www.iaa.uni-rostock.de/lehrende/nordamerikanische-literatur-und-kulturwissenschaft/mackenthun/

"Mythen der Antike, Mythen der Moderne"
"Mythen der Antike, Mythen der Moderne"

"Mythen der Antike, Mythen der Moderne"

Das Projekt

Wer sind wir, woher kommen wir? Mythen geben damals wie heute Antworten auf fundamentale Fragen wie diese, sie sind „Geschichten, die man sich erzählt, um sich über sich selbst und die Welt zu orientieren“, wie der Kulturwissenschaftler Jan Assmann erklärt. Eine besondere Form von Mythen sind jene, die von Ursprüngen erzählen, die sogenannten Aitien. Die Heldin einer solchen Gründungserzählung kennen wir alle: Die schöne Phönizierin, die der Göttervater Zeus, in einen Stier verwandelt, über das Meer trug. Auf Kreta betrat sie zum ersten Mal den Boden des Kontinents, der seitdem ihren Namen trägt – Europa. Die Moderne aktualisiert nicht nur die tradierten antiken Mythen als „Wissensbestand“, sondern bringt auch eigene Ursprungsmythen hervor, um die Begründung von neuzeitlichem Patriotismus (Jeanne d’Arc), eines neuen gesellschaftlichen  Selbstverständnisses (68er-Revolution) oder ihrer selbst (Flaneur) erzähl- und erfassbarer zu machen.

Im Department „Wissen – Kultur – Transformation“ ist es gelungen, einschlägige interdisziplinäre Forschungspotentiale zum Zusammenhang von Ursprungserzählung, kulturwissenschaftlicher Mythoskonzeptualisierung und medialer Repräsentation hervorzubringen bzw. synergetisch zu vernetzen. Historisch differenzierende Perspektiven werden dabei mit theoretischen Erkenntnisinteressen verknüpft. Ursprungsmythen werden einerseits in Bezug auf ihre histoire als Wissensformen untersucht, deren Transformationen vor den Hintergrund kultureller und medialer Kontexte zu stellen sind. Andererseits gehört aber auch die diskursive Orientierung über den kulturellen Status von Ursprungsmythen zu jenem Wissen, das für deren Funktionieren konstitutiv ist und das selbst Transformationen unterliegt.

Das ein Jahr nach Gründung des Departments von der DFG für eine Laufzeit von drei Jahren bewilligte Forschungsprojekt von Prof. Dr. Stephanie Wodianka und ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Juliane Ebert setzt sich zum Ziel, ein kulturwissenschaftlich operables Mythoskonzept zu erarbeiten und zu erproben, welches eine Brücke zwischen populären Mythen einerseits und schon lange kanonisierten antiken Mythen andererseits schlägt. In der Moderne kann alles zum Mythos werden – aber nicht alles wird in der Moderne zum Mythos. Zu fragen ist grundsätzlich, wie man moderne Mythen definieren kann, wie sie ‚geschaffen’ werden und welche Rolle dabei die alten und neuen Medien spielen. Dem Projekt wird ein Mythoskonzept zugrundegelegt, welches den Mythos als Erinnerungsmodus akzentuiert (vgl. Roland Barthes): Mythen sind weder inhaltlich noch zeitlich (Antike), sondern wahrnehmungsästhetisch begrenzt. Das Mythische ist eine Art und Weise der Wahrnehmung und Erinnerung, die v.a. durch die scheinbare Evidenz, ihr hohes Identifikations- und Sinnstiftungspotential sowie die Erfahrung überzeitlicher Bedeutung und normierender Gültigkeit gekennzeichnet ist.

Publikationsertrag des Forschungsprojektes soll u.a. ein „Lexikon Moderne Mythen“ sein, das 2014 im Metzler Verlag erscheinen wird und Ursprünge, Transformationen und Deutungen von über 150 ‚neuen Mythen’ zusammenstellt. Der Forschungskontext des Departments hat zur erfolgreichen Einwerbung kompetenter Lemma-Beiträger aus den Reihen der Mitglieder und aus deren Forschungsnetzwerken geführt und somit die Interesseschnittmengen potenziert. Im Hinblick auf die Medialität des Mythischen und seines narrativen Entfaltungsgrades haben sich zudem Kooperationsperspektiven mit der Informatik (Prof. Dr. Heidrun Schumann) entwickelt, die zur Frage der mythischen Komplexitätsreduktion und Evidenzkonstruktion durch Visualisierung genutzt werden sollen und über diesen As-pekt auch Anknüpfungspunkte für die Dissertationsprojekte der Stipendiaten Hanno Depner und Emel Cetin bieten.

Vor allem aber hat die Kooperation dieses DFG-geförderten Mythos-Projektes mit der Rostocker Aitienforschung unter Leitung von Prof. Dr. Christiane Reitz Synergieeffekte initiiert, die insbesondere Fragen nach der „transformierbaren Unveränderlichkeit“ mythischer bzw. ursprungsmythischer Erzählformen betreffen. Das Erzählen von Geschichten über Ursachen gehört von Anbeginn zur erzählenden Literatur. Stadtgründung, religiöser Brauch und Kult, Abstammung eines Volkes oder einer Familie, Namen, Techniken werden auf ihre Urheber und Ursprünge zurückgeführt. Diese Erzähltradition prägt die antike Literatur, die antike Kunst und ist seither in der Geschichte wie in der Gegenwart präsent.

Prof. Dr. Reitz untersucht mit ihrer Assistentin Dr. Anke Walter die narrativen Strategien, vermittels derer Aitien erzählt werden – eine international und mit Mitgliedern des Departments besetzte Tagung (Juli 2012) hat das interdisziplinäre Potential dieses Forschungsinteresses vor Augen geführt und den Impuls für einen Antrag auf DFG-Sachbeihilfe gegeben (Einreichung des Antrages geplant für Ende 2013): Lassen sich in einzelnen Gattungen, Textsorten, Bildern, wissenschaftlichen und literarischen Kontexten gemeinsame Muster feststellen, wie Ursprungsgeschichten eingesetzt und gestaltet werden? Bilden diese gemeinsamen Muster eine eigene erzählerische Systematik aus, die sich von anderen Erzählungen abhebt? Welche Erkennungsmuster bieten die aitiologischen Erzählungen, seien sie in wissenschaftlichen, in fiktionalen, in bildlichen Zusammenhängen präsent, ihren intendierten Rezipienten an?

Diese in Bezug auf antike Erzählformen gestellten Fragen bedeuten auch für die Profilie-rung von „Mythen der Moderne“ wichtige Impulse, um festgestellte Unterschiede und Gemeinsamkeiten für die Konzeptualisierung des Mythosbegriffes fruchtbar zu machen und um überhaupt auf bestimmte Kanonisierungs- und Kompensationsstrategien ‚neuer Mythen’ aufmerksam zu werden. Beide Projekte treffen sich in der Frage, ob das Mythische einen Anfang hat – oder welche ästhetischen Formen seine Anfänge markieren.

 

Zum DFG-Projekt „Kulturwissenschaftliche Konzeptualisierung ‚neuer’ Mythen: Phänomene, Binnenstrukturen und Kanonisierungsprozesse des Mythischen in der Moderne“: http://www.romanistik.uni-rostock.de/abteilungen/franzoesische-und-italienische-literaturwissenschaft/homepage-prof-dr-st-wodianka/dfg-projekt/

Zur Arbeit von Prof. Dr. Christiane Reitz: http://www.altertum.uni-rostock.de/mitarbeiter/details/reitz/

„Translating Myth“

„Translating Myth“

5.-7. September 2013
Colchester, UK

Registration is now (July 2013) open for „Translating Myth“, an international conference organized by the Centre for Myth Studies at the University of Essex, to be held at Firstsite, the home of contemporary visual arts in Colchester.


Plenary Speakers:

  • David Hawkes (Arizona State University), „I think Hell’s a Fable“: Literalism and the Death of the Soul
  • Miriam Leonard (University College London), Tragedy, Myth and the Intrusion of History: Carl Schmitt’s Hamlet or Hecuba
  • Harish Trivedi (University of Delhi), Indian Myth: Postcolonial Translation

Distinguished Bean Trust Lecturer:

  • Sheila Spector (Independent Scholar), The Evolution of Blake’s Myth: Urizen’s Multiple Identities


Also featured is a thrillingly expansive selection of papers on different aspects of translation in and of myths from around the world - Greece, Rome, and beyond.

Registration details and the provisional programme are available at http://translatingmyth.wordpress.com/
Reduced „Early Bird“ registration rates apply until 1. August.

For further information, please email mythic(at)essex.ac(dot)uk.

„BildIng – Bildungsziel Ingenieurin“

„BildIng – Bildungsziel Ingenieurin“

Als eine der weltweit führenden Industrienationen hat Deutschland mit einem eklatanten Mangel an ingenieurwissenschaftlichen Nachwuchskräften zu kämpfen, insbesondere auch bei der Nachfrage junger Frauen nach natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen.

Die geplante Studie setzt an diesem Befund an. Im Rahmen einer interdisziplinären Kooperation zwischen der Erziehungswissenschaft und der Elektrotechnik an der Universität Rostock soll untersucht werden, wie sich die Studienorientierungen von Schülerinnen im Verlauf der Bildungsbiographie entwickeln und wie sie sich zugunsten von ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fächern pädagogisch beeinflussen lassen.

Das Gesamtvorhaben umfasst drei Schwerpunkte: Erstens, eine quantitative empirische Studie in Form eines standardisierten Surveys zu Studienorientierungen von Schülerinnen in unterschiedlichen Klassenstufen an Gymnasien. Zweitens, eine biografische Studie zur Entwicklung von ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studieninteressen bei jungen Frauen. Drittens, eine bundesweite Strukturanalyse von gendersensiblen pädagogischen und didaktischen Konzepten, Methoden und Angebotsformen zur Studienorientierung im Bereich der Elektro- und Informationstechnik (technikwissenschaftliche Schülerlabore).

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, ein Gesamtkonzept für eine pädagogische Förderstruktur zu entwickeln, das studienspezifische Orientierungshilfen für Mädchen und junge Frauen bereitstellt, an der gendersensiblen Qualität des fachspezifischen Schulunterrichts ansetzt sowie eine grundlegend erneuerte Kooperation zwischen Schulen, Betrieben und Universitäten ermöglicht. In einem anschließenden Erprobungsjahr soll das pädagogische Gesamtkonzept am Beispiel von Mecklenburg-Vorpommern in einem Modellprojekt erprobt und durch eine wissenschaftliche Begleitung evaluiert werden.

Die geplante Studie schließt eine gravierende Lücke in der einschlägigen empirischen Bildungsforschung zu diesem Thema. Vergleichbare interdisziplinär angelegte Analysen, in denen das Thema der Entwicklung und Förderung fachspezifischer Studienorientierungen unter qualitativer, quantitativer und pädagogisch-didaktischer Perspektive bearbeitet werden, liegen bisher in der Bundesrepublik nicht vor.

Das Projekt „Bildungsziel Ingenieurin“ wird im Rahmen des Förderbereichs „Strategien zur Durchsetzung von Chancengleichheit für Frauen in Bildung und Forschung“ zum Themenschwerpunkt „Frauen an die Spitze“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung von 2011 bis 2014 gefördert.

Alle Informationen hier: http://www.bilding.uni-rostock.de/