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„Transformationen des Wissens“

Themenschwerpunkt „Transformationen des Wissens“
Sprecher: Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski


In einer sich stetig ausdifferenzierenden und dynamisch verändernden Welt können die Geistes-und Kulturwissenschaften ihrer Aufgabe zur Entwicklung und Differenzierung eines wissenschaftlichen Welt- und Menschenbildes nur gerecht werden, wenn sie Brücken schlagen zwischen den auseinanderdriftenden Lebenswelten, Wissenssystemen, Kulturen, Epochen und Wissenschaftsdisziplinen. Eine zentrale Voraussetzung für diesen Prozess und diese Aufgabe der Geisteswissenschaften ist die Anerkennung von Differenz, von Pluralität, von Geschichtlichkeit und Prozessualität, durch die alle Manifestationen menschlichen Wissens und Handelns gekennzeichnet sind.

Vor dem Hintergrund einer entfesselten Globalisierung, einer weitreichenden Ökonomisierung sozialer Lebenswelten und dem schier grenzenlos scheinenden Leistungsvermögen moderner Natur- und Technikwissenschaften stellen sich dem multidisziplinären Verbund der Geistes-, Kultur-und Sozialwissenschaften somit verstärkt die Anforderungen einer grundsätzlichen Analyse-, Übersetzungs- und Orientierungsfunktion.

Analytisch lassen sich diese Anforderungen an die Geisteswissenschaften auch als Transformation von Wissen, Wissensbeständen und Wissenskulturen verstehen – eine Übersetzungsfunktion in diachroner und systematischer Perspektive. Insbesondere die historischen Wissenschaften und die Bildungswissenschaften sind traditionell und konstitutiv mit den Anforderungen von Wissenstransformationen konfrontiert: Zum einen auf der gesellschafts- und makrotheoretischen Ebene der Rekonstruktion und Selbstvergewisserung gegenüber vergangenen Epochen, Kulturen und historischen Prozesse; zum anderen auf der Ebene der Individuen und ihrer sozialen Systeme: als Frage der Sozialisations- und Bildungsprozesse sowie der kulturellen Tradierung und stetigen Erneuerung der Gesellschaft in der Abfolge des Generationenwandels.

Die Dynamik gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse in Richtung einer globalisierten, ökonomisierten und technologisch hochgerüsteten Informations- und Wissensgesellschaft forciert diese Transformationsprozesse unterschiedlicher Wissenssysteme. Wie lässt sich die Logik informationstechnologischer Systeme übersetzen in die Anforderungen sozialer Lebenswelten? Wie lassen sich geisteswissenschaftliche Modelle und Konzepte fruchtbar machen für die High-End-Forschung von Genetik und Biowissenschaften oder den Fortschritt neurophysiologischer Hirnforschung? Wie lassen sich die Wissenssysteme und Sinnpotenziale konkurrierender Religionen übersetzen oder nutzbar machen für die Rationalität und die Zivilität säkularer multikultureller Gesellschaften in der Moderne? Oder in bildungswissenschaftlicher Perspektive: Wie lassen sich die gegenläufigen Prozesse einer durchgreifenden ökonomischen Rationalisierung der Lebenswelten bei gleichzeitiger Tendenz zu einer alternden Gesellschaft verbinden mit einem Bildungskonzept, in dem Bildung nicht nur als verwertbare Funktion für das Bruttosozialprodukt und das Generationenverhältnis nicht nur als Synonym für den ökonomischen Transfer sozialer Sicherungssysteme verstanden werden.

Der Forschungsschwerpunkt „Transformation des Wissens“ setzt innerhalb des Departments „Wissen - Kultur - Transformation“ an diesen zeitdiagnostischen Analysen und Befunden an. Auf der Basis eines multidisziplinären Forschungsverbunds aus Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaftlern in Zusammenarbeit mit Natur-, Ingenieur- und Biowissenschaftlern sollen historische, aktuelle und zukunftsweisende Forschungsfragen entwickelt und bearbeitet werden.

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